15.12.03 1. Tag "danach" Ekkehard
Die ganze Nacht über kamen im Stundenrhytmus weitere Segler über die Ziellinie.
Wir haben sie auch begrüßt.
Mit Applaus.
Und auf 75 Boote wird noch gewartet.
14.12.03 22. Tag auf See
05:50 Wir sehen in unserer Wache schon die roten Lichter eines Radiomastes von St. Lucia. Es ist schwer zu begreifen - sollte es bald alles zu Ende sein? Ich erwische mich mit dem Gedanken, nicht ankommen zu wollen. Drei Wochen hinterlassen Spuren. Ich haue mich in die Koje und schlafe sofort. Eine Stunde später wache ich schon wieder auf. "Land, Land!" schreit die Deckswache. Ich lasse mir sehr viel Zeit um es - E S, zu sehen, das Land, unser Ziel. Ich schaue den Niedergang hinauf, scheinbar ist jeder routinemäßig mit seinen Aufgaben beschäftigt, und ich, ich möchte E S noch n i c h t sehen.
10:00 Jetzt hat uns doch noch das Regattafieber gepackt! Eine Jacht kommt mächtig von hinten auf. Noch haben wir die "Nachtbesegelung" gesetzt. Für den Blister haben wir zu viel Wind, nur mit Genua zu wenig Fahrt. Wir setzen Großsegel und versuchen Schmetterling zu segeln. Baumen die Genua noch aus, und rauschen endlich mit akzeptabler Geschwindigkeit durch die aufgewühlte Atlantikwelle. Wir verkaufen uns teuer!
Ja, und das Land habe ich jetzt auch gesehen...
11:00 Wir müssen immer höher an den Wind, um das nördliche Cap von St. Lucia zu runden und Kurs auf die Ziellinie zu nehmen. Diese liegt in der trichterförmigen Rodney Bay. Wir sehen das Zielschiff schon. Die Jacht, die uns überholt hat, kämpft sich gegenan kreuzend zur Ziellinie hoch und - noch lachen wir.
Wir gehen immer höher und glauben doch tatsächlich, daß wir locker mit zwei Schlägen über die Linie kommen. Wir, die wir verwöhnt von Vorwindkursen drei Wochen nie hoch an den Wind mußten! Und jetzt machen wir schon den vierten Schlag, und das Zielschiff kommt nicht näher! Mit einem Kutterstagsegel kurz hinter dem Vorstag sind wir für Wendeduelle in der immer schmaler werdenden Bucht nicht geeignet. Wir brauchen einfach viel zu lange, bis wir die störische Genua auf der anderen Seite haben. Nach unendlichen 10 Minuten laufen wir mit "Dido" im Lautsprecher über die Finnishing-Line. Dreimal tutet es, und - ja wir hören den Applaus vom Zielschiff!!! Es unglaublich bewegend. Später wird uns klar, hier kämpft sich fast jeder so hoch, haben doch viele Kutterstage für die Atlantiküberquerung. Ein Fotografenboot umkreist uns während wir uns beglückwünschen.
Als wir in den Lagunenhafen einlaufen, kommt uns ein gigantischer Katamaran entgegen, mit vielleicht 100 tanzenden, Partyfeiernden Seglern. Der Raggae läuft mit an die Love-Parade erinnernder Lautstärke. Welch ein Empfang. Per Funk waren wir schon angekündigt, am Steg empfing uns wieder Applaus von den Nachbarschiffen. Als uns eine ARC-Deligation die Leinen abnimmt und uns mit Handschlag, einem Tablett voller Rum-Punch, frischen Früchten und einer Flasche Rum begrüßt, sind wir endgültig platt über soviel herzlichen Empfang.
Wir trinken noch unseren bis hierher geretteten Cremant. Als ich zum ersten Mal den Fuß an Land setze, weiß ich nicht ob es der Rumpunch, der Sekt oder der ungewohnt feste Boden ist, der mich schwanken läßt.
Es sind zu viele bewegende Augenblicke, die wir wohl nie vergessen werden.
Wir sind aufgewühlt.
Wir sind am Ziel.
14.12.03 Philipp/ Micha
First Sight! Land in Sicht!. 20 Seemeilen entfernt.
Die Wizard of Oz (ein feindliches Schiff) kommt mit Macht von hinten auf. Wir kdmpfen gegen an und versuchen deren Segelstellung zu kopieren. Was die bei gesch|tztem Flachwasser aufgezdumt haben, versuchen wir bei drei Meter Welle und 20 Knoten Wind. Das Ergebnis: Ein lustiges Rodeoreiten mit drei Mann auf dem Vorschiff. Wir werden das Gef|hl nicht los, uns mit dieser Slapstickeinlage blamiert zu haben. Schdtze, wir sind das absolute Highlight der Überfahrt der Wizard of Oz.
Unser Finish kommt uns wie ein Deja Vu vor. Die Finishing Line, nur einige hundert Meter entfernt, zu erreichen, entpuppte sich als ein äußerst delikates Unterfangen, ebenso wie damals das Startmanvver: Sie will partout nicht näher rücken, denn wir müssen gegen den Wind aufkreuzen, was wir die letzten 2700 Seemeilen noch nicht geübt haben. Nach unzähligen, nicht ganz sauberen Wendemanövern, hat das Zielschiff erbarmen und drückt auf die Signalhupe, damit sie das Desaster nicht länger ertragen muss. Vereinzelt hören wir jemand klatschen. Wir glauben, es tönt etwas mitleidig.
Der Zielfotograph in seinem Dinghi ermuntert uns, zum Zusammenrücken für das Fininshing Foto. Er wundert sich wohl etwas, über den bedröppelten Eindruck, den die geschaffte Crew auf seiner Linse hinterlässt.
Die Einfahrt in die Marina ist umwerfend. Gott sei Dank, es gibt doch noch Land. Es ist surreal und unbeschreiblich nach drei Wochen Wasser, Welle und Wind den Fuß auf den Steg zu setzen. Sue, von der ARC Leitung empfängt uns mit dem Anfang vom Ende: Rum Punch. Danke Sue! Der knallt nach dem Frühstück richtig gut. Unter Rum Punch Einfluß machen wir uns auf dem Weg zur ersten Erkundungstour. Carribean flair. Rastamen all over. Ja, rispect man everywhere. Im Hafen fährt ein Schaluppe rum mit Flaggen aller erdenklicher Nationen und verkauft Coconuts, Seashells und Dope. Der Name der Schaluppe: Just a happy floating market. Mit unserem Dinghi geht's weiter durch das gepflegte Hafenvorbecken, mit Rum Punch. Die Vorgärten der Villen sind drapiert mit aufblasbaren Polydthylen-Santa-Clauses und Schneemännern. Sie sind von innen beleuchtet. Weihnachten?
Weiter geht`s zur Parigot Bay Beach Party. Rum Punch. Aus den krachenden Boxen erklingt
Wish you where here von Pink Floyd life! Wenn wir irgendwo anders diese Version so schlecht interpretiert hören würden, würden wir auf den Absätzen Kehrt machen, aber wir haben keine Schuhe an. Es ist nur karibisch göttlich...Rum Punch... Micha wird direkt zur Privat-Party eingeladen. Ihr Name ist Corinth. Sie ist schwarz wie die Nacht und hat KNOCK OUT auf ihren Cocosnu_-Hintern geschrieben...noch mehr Rum Punch... Ekkehard rettet uns wild winkend mit dem Dinghi. Wir wissen, wir kommen wieder. Gemeinschaftliches Abendessen...mit Rum Punch. Ist gut. Kann man wohl auch erwarten für 260,00 US Dollar. Ich kann mich nicht entscheiden zwischen Screaming Orgasm und Long and Slowly, den Cocktails.
Zurück in der Marina treffen wir nur noch Zombies an. Sämtliche Nationen verschmelzen, zu einem sprachlichem Melting Pot durch den Verlust der Muttersprache. Das hierfür benötigte Mittel: Rum Punch. Wir sehen Segler, die rechts und links durch ihre Artgenossen gestützt, ziellos durch die Hafenanlage geführt werden. Wildfremde Frauen erzählen uns aus ihrem bewegten Leben, hochinteressante, aber leider vvllig unverstdndlich Anekdoten. Es muss eine Rum Punch Epidemie ausgebrochen sein. Hoffentlich steht die Mariana morgen nicht unter Quarantäne.
Zu guter letzt wundern wir uns über den Rastaman, der trotz vorhandenem Motor, ein Dinghi mit leisen Schldgen und bei rabenschwarzer Nacht aus dem Hafen rudert. Hey, can we help you?. No, dont worrri abaud mi!. Uns lässt das Gefühl nicht los, dass wir Zeugen von Piraterie sind: klassischer Dinghi-Klau. Zurück auf dem Schiff, kann es nur noch eins geben: Plicht (maritime Außensitzgelegenheiten) polstern und im Freiem schlafen. Was für ein Rum Punch, gute Nacht!
13.12.03 Philipp
Wir sind auf der Zielgeraden. Wind und Flauten wechseln sich ab.
Vorfreude und Wehmut auch. Ist völlig O.K., dass wir kein Süßwasser,
kein Strom, kein Saft, keine Schokolade, kein Wein mehr haben. (Bei dem
Wein bin ich mir noch nicht so sicher.) Aber dafür gibt’s ´ne Menge Bier
und Fisch…Die Heiterkeit an Bord nimmt zu. Wir freuen uns auf den ersten
Yellow Bird, den Cocktail auf St. Lucia. „Da siehst’e mal was fliegen
ist“ gluckst Helmar.
Die letzte Nachtwache. Nirgendwo ist der Himmel Näher. Der muss hier
draußen geboren sein. Man möchte ihn mitnehmen. Und die Mengen an
Sternschnuppen…wenn das Alles klappt!?
Am Horizont sehen wir den Schein von Port de France auf Martinique.
Helmar mutmaßt „Das ist doch ein brennender Tanker.“ Ekkehard drückt
noch mal wie wild auf der Selbststeueranlage rum: die piepst so schön.
Ich blicke zurück. Schwuchten sind Wanten, Tunts sind Staks und Spunks
sind Schoten und „Passatseglen heißt mit 600 Liter Diesel losfahren und
mit leeren Tanks ankommen.“, wie Ekkehard sagt.
Das Schöne beim Segeln ist für mich die Einheit von Wetter, Wind, Welle,
Wasser und dem Schiff. Wenn Alles zusammenkommt, ist es ein
unglaubliches Gefühl. „Bitte schön, Deine Stunde perfekte
Segelkonditionen.“ Das geht in den Magen und die Blutzirkulation wird
zeitweilig gegen Adrenalin ausgetauscht. Ich werde wieder rausgehen. Das
ist sicher.
Und meine Mitstreiter?
Der Skip, der alte Morgenmuffel, er hat mir geduldig viel beigebracht.
Der Micha, my brother in crime, sowieso. Der liebenswerten Lothar, der
einen verbeulten Kopf als Trophäe mit nach Hause bringt, weil er immerüberall dagegen stößt. Thilo, der Vorzeigesegler. Wenn alles klappt,
segelt er mich zum SKS Schein im kommenden Jahr. Der Helmar, König des
Understatements. Respekt! Der Ekkehard, kulinarischer und nautischer
Enthusiasmus in einer Person. Der „Was gib’s’n heud zu ässn?“ – Ekki
Ich freue mich auf den Weihnachtsmarkt!
12.12.03 20.Tag
Biss, Biiiis! Schon wieder Fisch. Um 09.00 pünktlich kommt wieder der
Fischhändler vorbei. Wir holen ein Prachtexemplar aus dem Wasser, und
das bei voller Fahrt! Wieder eine Goldmakrele, ich glaube wir können
nichts anderes... Diese 5 kg bei 90 cm ergeben 3kg feinstes festes Filet
was wir klassisch (nach Art des Skippers) in Butter braten.
Wir haben das miserabelste Etmal des Törn eingefahren. Ich wage es nicht
zu nennen! Immer wieder ziehen Squalls durch, dazwischen Flaute und
umlaufende Winde. Nur die Dünung, die ist wie im richtigen Ocean. Gegen
Abend endlich Wind! Zwar aus Nordost, aber wir sind zufrieden. Es geht
wieder durch die Nacht mit unserer Geheimwaffe "Bli-Gen" (Kürzel aus dem
Logbuch für Blister+Genua).
11.12.03 19. Tag
Biss, Biss! Wir bekommen Routine: gleich um 09:00 beißt wieder eine
wunderschöne Goldmakrele. Diesmal etwa 4 kg schwer und 70 lang. Das gibt
zu ersten Mal heute Sushi! Deprimierendes Flautensegeln! Wir müssen uns ständig erinnern, das wir
in den Passatwinden segeln. Nur den gibt´s hier nicht. Winde aus Süden,
alte Welle aus Süd-Ost neue Dünung aus Nordost machen uns das Leben
schwer. Die Segel schlagen trotz 15 kn Wind so sehr, daß wir Angst um
unser Rigg haben. Kommt eine Welle, fällt der Blister ein, um dann wenn
die Welle unterm Schiff durchrollt mit einem explosionsartigen Knall
sich wieder zu füllen.
Heute Abend gibt es dafür ein Festmenue: Sushi satt, in allen
Variationen stillecht im Tang-Mantel mit Wasabi, Takajabi-Sauce und
Soja. Anschließend Fischtopf Zazuela mit Kartoffeln. Ich wundere mich
selbst, wie wir das bei einem unmöglichen Seegang verkeilt in der
Kombüse gezaubert bekommen.
11.12.03 Philipp
Ich krieg Bordkoller. Das klingt zwar weder spektakulär noch spannend,aber mir ist langweilig. "Mama, wann sind wir endlich da?" So kurz vor dem Ziel wird, halt ich es kaum noch aus… Das Gefühl wird noch verstärkt
durch eine totale Flaute. Thilo formuliert es passend: "Hoffentlich bald
wieder auf der Ostsee, da geht hin und wieder mal die Post ab!" Na gut, dann geh ich mal an den "Strand", vorne aufs Schiff. Auch wenn
die Wahrscheinlichkeit gering ist, dort noch jemand anderen anzutreffen.
Highlight 1 des Tages: Der verzweifelte Versuch, den Spinnaker zu
setzen, ein überaus großes Segel, welches sogar dem Skipper Angst macht.
Thilo, Micha und ich spielen die Helden. Der Rest der Crew guckt von
Achtern (von Hinten - das weiß ich mittlerweile!) aus zu, wie wir ins
Verderben rennen. Sieht Alles ganz gut aus, bis dann das verdammt große
Ding oben ist und den Baum an dem wir es befestigen samt dem armen Thilo
in die Höhe reißt. Huh, was für ein Stunt. Fehlt bloß noch der Applaus
von den Zuschauern. Aber die Jungs Achtern schütteln nur die Köpfe.
Danke!
Highlight 2 des Tages: Ein riesiges Kreuzfahrtschiff überholt uns.
Schätze wir sind die Attraktion des Tages. Die Lautsprecher knacken:"Hier spricht ihr Kapitän, liebe 6367 Rentner, schaun´ sie mal links
runter ins Wasser. Wie sie sehen, sehen sie nichts, außer einer kleinen
Nussschale. Das ist ein Segelschiff mit Idioten, die tatsächlich in so
`ner Jolle den Atlantik freiwillig überqueren. Ha!" Highlight 3 des Tages: Sushi! Ja, wir haben doch noch einen Fisch
gefangen, ach was sage ich ZWEI! Goldmakrelen! Mitten auf dem Atlantik
holt doch "Mmmhhh, läcka"-Ekkehard sein Reise-Sushi-Pack raus und beehrt
uns mit köstlichen Maki-Rolls. Der Skip guckt komisch: "Wat is´dat
dann?" Wir alle: "Och du, das schmeckt nich´ so gut, laß mal!" Dann
gab's noch gebratene Fischfilets und dann noch Fischsuppe. Folglich
liegen jetzt alle mit Eiweißschock in den Kojen und wissen nicht wohin
mit sich…
P.S.: Meine Lieblings-Atlantik-Mucke: Sven van Hees - "Gemini" und
Richard Ashcroft - "Human Condition".
Thanx to Bomber and Falco, ya know hu u r!!!
10.12.03 18. Tag
Auf meiner Wache ab 06:00 tauchen plötzlich etwa 40 Delfine auf. Sie
begleiten uns und scheinen uns zeigen zu wollen, was sie alles können.
Wie Kinder tollen sie um uns herum, tauchen auf, springen schauen immer
wieder, ob wir sie auch beobachten. Sie überholen uns mit einer irren
Geschwindikeit um dann vor dem Bug auf die andere Seite zu wechseln.
Dabei versucht jeder den Anderen an Schnelligkeit und Eleganz zuüberbieten.
09.12.03 17. Tag
Heute fahren wir unser Rekord-Etmal: 159 Meilen! Seid 48 Stunden segeln
wir ununterbrochen mit Blister und Genua (220 qm). 13:20 Durch
ARC-e-mail erhalten wir Nachricht, daß 100 Meilen nördlich ein Schiff
havariert ist. Das ganze Rigg ist von oben gekommen. Das ist bitter, 600
Meilen vor dem Ziel wird er das nicht ohne fremde Hilfe schaffen, soviel
Diesel um zu motoren hat keiner! Drei Schiffe sind in der Nähe und
werden zu Hilfe eilen.
Biss, Biiss! schreit plötzlich jemand wild im Heck. Zunächst können wir
nicht so recht einordnen, ob er etwa beim Duschen auf der Plattform
gebissen worden ist. Biss, Biss! er zeigt wild auf die Angel, die sich
verdächtig wagerecht nach hinten biegt. Jetzt springt Dirk an die Rolle,
wir fieren die Schoten, um Fahrt aus dem Schiff zu nehmen und können gar
nicht glauben, daß sich ein Fisch an unsere 200m - Angel verirrt hat.
Tatsächlich bekommen wir eine schöne 60 cm lange Goldmakrele aus dem
Wasser. Mit dem großen Fischhaken ziehen wir den 2,5 kg schweren Kerl an
Deck. Unser erstes Fischessen!
09.12.2003 Philipp
Ich wache auf und erschrecke mich sehr. Ein neues Crewmitglied! Ich komme schwer ins Grübeln. Thilo lüftet das Geheimnis: "Schau nur, die gelb, grün, blau geschundenen Beine. Das muss der Ekkehard sein!" Wahrhaftig, frisch rasiert sieht er ungewöhnlich kultiviert aus.
Die hintere Bordtoilette ist mal wieder außer Kraft gesetzt und wird von außen verriegelt. Das bekommen alle mit, nur nicht Helmar. Der steht ´ne geschlagene halbe Stunde davor und brummelt: "Mensch Lothar, mach hinne! Was schraubt der denn immer so lange an seiner Wurst rum?" Die Tage sind heiß - was das Wetter betrifft. Die Karibik ist spürbar näher gerückt. Unser GPS zählt schon die Stunden rückwärts - 98! Samstag, wenn alles glatt läuft, sind wir da. Ich döse den ganzen Tag. Verschlafe meine Wache. Duschen ist eine Wonne. Wir lassen die Badeplattform runter, schnallen uns fest und lassen die Beine baumeln. Der Thrill ist, dass hoffentlich kein Hai anbeißt. Mit dem Eimer am Tampen holen wir Salzwasser rein. Mist, mein Duschgel habe ich gerade versenkt. "Micha, leih mir mal deins!" Ops, jetzt muss sich Micha auch noch sein Duschgel von jemand leihen.
Wir machen richtig gut Fahrt. Einige, hier namentlich nicht erwähnt, feiern unser stetes Vorankommen: Sie trinken. Frönen dem endlich wieder gefundenen, streng rationierten Rotwein. Gestern Nacht dann wache ich von dem Gefühl auf, dass wir ungewöhnlich schnell durchs Wasser rauschen. Ich wähne uns schon wieder bei unserer Lieblingsbeschäftigung: Blistersegel aus dem Wasser fischen. Raffe mich auf und siehe da, Ekkehard steht breitbeinig am Heck, wehendes Haar, Flimmern in den Augen: "Wir fliegen! Wir fliegen!". Helmar pflichtet ihm bei "Ja, ja, ja!" Sind jetzt alle verrückt geworden, oder sind das nur die Nachwirkungen bei den namentlich nicht erwähnten Mitgliedern des Feiergelages?
Vieleicht liegt es auch nur am taghellen Vollmond. Alle schlafen unruhig und gemeinsam beobachten wir ein unglaubliches Naturphänomen: Ein Regenbogen bei Nacht, ein Mondbogen!
Thilo hat heute Geburtstag. Micha bittet den Skip um den versteckten Kuchen, Kerzen und Smarties. Der Skip ist lange weg. Sehr lange. Micha findet ihn, seinen Hintern aus der tiefsten Kiste unterm Bett hervorguckend. Das Vorschiff geht unter im Chaos. Die Matratzen sind herausgerissen, es sieht aus wie nach einem Orkansturm. Skip schwitzend: "Ich find ihn nicht mehr!" "Sag mal, von der Logik her hätte ich es einfach unter'n par Pullover gepackt." sagt Micha und erntet stutzende Blicke. Ein Griff zwischen die Klamotten...Kuchen, Kerzen und Smarties! Thilo freut sich.
08.12.03 16. Tag Ekkehard
Nachtrag zum Logbucheintrag vom 06.12.03:
nach z.T. heftigen, kontroversen Kommentaren aufgrund der - zugegeben, recht patetischen und metapherreichen - Betrachtung über das Wesen der Atlantikwelle als solche und insbesonders als eigenständiges Individium, fühle ich mich berufen, dem geneigten Leser zu versichern, dass mein geistiger Zustand k e i n e s f a l l s durch z.B. Sonneneinwickung, hohe Geschwindigkeit oder Rotweinentzug Schaden genommen hat. Vielmehr war ich beseelt von dem Gedanken, das tiefe Innere, den Charakter und die eigentliche Größe des Oceans zu beschreiben. Diese Richtigstellung erfolgt von mir völlig freiwillig und ohne Zwang. Die Androhung der Mannschaft, bei Wiederholung solcher tiefsinnigen Texte, mich nackt an den Mast zu binden und zu knebeln, hatte keinerlei Einfluss gehabt. Ooooh, - gerade geht eine "Jungfrau"- Welle unter uns durch. Eine Welle, so weich, so nachgiebig, so anpassungsfähig und großherzig wie nur eine Jungfr-----------------mmmmpffff - nein, - nein, nicht, - nicht an den Mast binden. Mmpffff- nein, bitte keinen mmmpfff- Knebel - mmmmppfffff.
mmmmpfffff Ekkehard mmmmpfff.
08.12.03 16.Tag Ekkehard
16 Tage auf See. Kaum einem von uns wird so richtig bewußt, das dies 16 Tage ohne Nachrichten, Fernsehen, ohne festen Boden unter den Füßen waren. Uns fehlt nichts. Natürlich würden wir uns freuen, wenn mal ein Fisch nicht nur anbeißt, sondern auch anschliessend sich überreden ließe, uns an Bord zu besuchen (für immer). Für den nächsten Fall haben wir nun eine schussbereite Harpune bereitgelegt. Die Bordbäckerei läuft täglich auf Hochtouren. Auch an den leerer werdenden Vorratsschaps merken wir, wie lange wir schon unterwegs sind. Vielleicht fehlt mir ein Expresso in einem Strassencafe. Oder ein 4 cm dickes Steak...
Noch fehlt uns fast nichts.
Ekkehard.
07.12.2003 Philipp
Es wird tropisch. Wassertemperaturen von 24,6°. Die Sonne strahlt und wir haben wieder Wind. Endlich! Zwei Tage unter Motor machen Mürbe, ähnlich wie die Cola den Helmar. Er reibt sich die Sonnenmilch schon unter die Achseln. Wo sind bloß die Weinflaschen?
Wow, Delphine begleiten uns auf unserem Kurs westwärts. Die Zeichen stehen gut. Wir haben zwei große Segel gesetzt. Wenn man sich drunter legt und nach oben schaut, sehen sie aus wie ein Hintern. Sehr ästhetisch und sehr sexy.
Mütter packt die Schlaftabletten weg, Frauen reduziert das Rauchen wieder auf zwei Packungen. Uns geht's gut! Wir holen auf und schließen Wetten auf den Ankunfts-Tag und Zeit ab. Samstagabend wollen wir mit den Kreolinnen Salsa tanzen.
Ach ja, Nikolaus! Fällt schwer eine weihnachtliche Stimmung aufkommen zu lassen. Micha packt eine Tüte Lebkuchenherzen aus seinem Seesack. Die sind allerdings nicht mehr als solche zu erkennen. War nett gemeint. Aber sie duften zumindest nach Weihnachten. Mmmmhh… Die Menge an überreifen Bananen ist nicht zu bewältigen. Lothar sieht mit Tränen in den Augen zu, wie wir sie der See übergeben und die Fische lachen uns aus - wegen des eigenartigen Köders.
Wir geben nicht auf! Uns giert nach Fisch. Allmorgendlich werfen wir die Angel aus. Mittlerweile haben schon fünf dicke Fische ihr Spielchen mit uns getrieben. Jedes mal, wenn wir Sie fast an Bord haben, reißen sie sich mit kunstvollen Zuckungen von der Angel; nehmen in drei Fällen sogar den Haken mit: "Guck mal" sagt der große Papa-Fisch "mein neues Piercing!" Es bleibt wohl beim Corned Beef. In der Not sehe ich Double-Whopper mit Bacon und Käse in irgendwelchen Wolkenformationen. Ob es auf St. Lucia ein Burger King gibt?
Es gibt aber auch Momente, die lassen sich nur schwer in Worte oder Bilder fassen. Der Sonnenuntergang vorgestern war so einer. Die Strahlen der orangefarbenen Sonne schiessen zwischen den Wolken, den Himmel entlang. Gottesfinger in einer derartigen Größe und Intensität habe ich noch nie gesehen. Links und rechts eingebettet von Gewitterwolken. Kathedralisch!
Die Crew sitzt auf dem Schiffsdeck verteilt, jeder in sich versunken.
P.S.: Habe die suche nach den Micro-Kameras aufgegeben. Gut versteckt, Jungs!
07.12.03 15. Tag
Wir rauschen seit den frühen Morgenstunden unter Genua und Blister auf 260° gen Westen. Unser zweitbestes Etmal bestätigt uns, wir holen auf. Noch 850 Meilen bis St. Lucia!!!
Heute haben wir wieder die Uhr um eine Stunde vorgestellt. Der Tag hat nun 25 Stunden.
14.00 (Bordzeit=UTC-2h): Ein tropisches Gewitter mit Platzregen kühlt uns auf 25° ab. Das Wasser hat mittlerweile 24,9°. Das letzte frische Gemüse werden wir heute kochen. Wieder hat ein mindestens 1 m langer Fisch gebissen. Wieder ist er uns entwischt. Die Haken die wir vewenden werden immer größer!
Ekkehard.
06.12.03 14. Tag Ekkehard
Heute segeln wir wieder. O.k, das machen wir seit 14 Tagen, aber nach zwei Flautentagen fühlen wir uns wie eine losgelassene Herde junger Pferde mit unserem Blister oben. Und es rauscht wieder unterm Kiel. Und das ist gut so.
Wir fahren wieder in die Nacht. Mit Blister. Der Vollmond taucht alles in ein gleißendes fast unnatürliches Flutlicht. Unaufhörlich laufen die Wogen von hinten auf das Heck zu, um gurgelnd darunter zu verschwinden. Eigentlich habe ich von diesem Törn erwartet, die gigantische Weite des Ozeans, des Himmels und der Elemente kennen zu lernen. Keine dieser Superlativen habe ich gefunden. Hier verschmilzt alles zu einer ganz, ganz kleinen Welt. Nicht die Weite des Oceans ist bedeutend, sondern schon eine jede einzelne Welle.
Man kennt sich.
Hat doch jede ihren eigenen Charakter. Im Mondlicht wie Quecksilber rollt die eine an, forsch, majestetisch wie ein Löwe - zu selbstbewust um nur einfach zu verschwinden. Arrogant und unwirsch scheint sie das Heck wegschieben zu wollen. Dann wieder eine mit dem Wesen einer Waage, ausgleichen zu wollen, unauffällig einfach vorbei laufen. Dann ein Steinbock oder vielleicht ein Widder? Mit dem Kopf durch die Wand! Mit einem Platsch läuft sie auf das Heck auf. Und das, das muß ein Skorpion sein: extrovertiert, feinsinnig und empfindsam möchte sie das Boot nur berühren. Weiter entfernte Wellen scheinen warten zu wollen, bis sie an der Reihe sind.
Man kennt sich.
Auch der Sternenhimmel gehört zu dieser vertrauten kleinen Welt. Wie die Eiche vor dem Küchenfenster. Statisch, unbeweglich, vertraut. Das sind m e i n e Sternbilder. Ich kenne sie nicht mit Namen, und doch kenne ich sie alle. wie die Eiche vor dem Küchenfenster.
Man kennt sich.
Ekkehard.
06.12.03 14. Tag
Jetzt ist es bewiesen: E s g i b t k e i n e n N i k o l a u s a u f d e m A t l a n t i k !!!
Fein säuberlich haben wir gestern Abend unsere geputzten Stiefelchen aussenbords geworfen. Und - heute morgen waren sie weg...
05.12.03 13. Tag
Unser zweiter Tag mit Flaute. Unsere Taktik, die Nordroute zu wählen, hat sich als falsch erwiesen. Im letzten Jahr war der Passat so stark, dass er hier für die gleichen Windbedingungen gesorgt hatte wie auf der 200 sm längeren Südroute. Auch der mit 0.5 bis 1,5 kn "schiebende" Strom fehlte nicht. Dominante, weit nach Süden reichende Azoren-Hochs sorgen dieses Jahr für Passatstörungen und groteske Wetterbedingungen, wie wir sie erleben. Wir haben gepokert - und kann nicht immer gewinnen. Rien ne va plus.
Windstille. So stellen wir uns die berüchtigten Kalmen vor (breiter Gürtel absoluter Windstille im Äquatorbereich) hier dümpelten früher die großen Segler oft wochenlang in Windstille herum. Die gekalkten Speisekammern waren bis auf die letzten Brotkrumen leer gefegt und selbst die Ratten wurden gejagt. Das Wasser war faul und täglich ging einer über Bord. - Ja, ja und jetzt geht die Fantasie mit uns durch...
10:00 Uhr. Es setzt eine leichte Dünung aus Nordost ein. Das läßt auf einen Wind aus dieser Richtung schließen. Noch aber regieren die lokalen Squalls. Zwei davon haben Windhosen, die wild schlängelnd und weiß schäumend ins Meer münden. Das ist filmreif. Kurze Böen, heftige warme Regenschauer und totenstille See wechseln sich ab - wenn da nicht das Flapp-Flapp der Segel wäre...Morgen ist Starkwind angesagt. Den haben wir bitter nötig, allein schon für die Moral.
13:00 Uhr, Wir hören in der ARC-Funkrunde, der Volvo-Ocean-Racer Spirit hat in einer neuen Bestzeit St. Lucia erreicht, toll.
Und: es soll morgen Starkwind geben!
17:00 Uhr. Der Nordost ist da! Wir können es nicht glauben: etwas zögerlich, wie eine launige Diva. Schnell einen guten Schluck Carlos I dem Gott des Windes geopfert und die Segel hoch!
17:30 Uhr. O.k. alles andere hätte uns gewundert: Der Wind ist wieder eingeschlafen. Um uns herum die wildesten Tiefs, wir mittendrin mit unserem Flapp-Flapp.
19:00 Uhr. Sonnenuntergang. Wie auf einer gigantischen Bühne wird er zelibriert. Vor der Kulisse der wilden tropischen Wolken in immer schneller werdenden Akten brennt sich die Sonne langsam in den Horizont. Himmelsfinger zerschneiden die vibrierende Luft. Wie von einem schlechten Bühnenbildner ist das Blau des Himmels im Osten mittlerweile zu einem Lila verkommen. Dort, genau dort wo die Sonne nun eintaucht liegt St.Lucia.
Und - jetzt ist er doch da: Er, ja E r der Nordost.
Mit dem Segel setzten warten wir allerdings diesmal noch eine halbe Stunde...
04.12.03 12.
Tag Ekkehard
Seit heute Morgen
herrscht Flaute. Eigentlich gibt es das hier gar
nicht. Ölig glatte See, ein wenig Restdünung
die - so lang gezogen - den
Atlantik noch ahnen läßt. Die letzten Positionsmeldungen
geben uns den
Rest. Wir sind frustriert. Dieses Schiff ist als künftiger
Weltumsegler
für Schwerwetter gebaut, bei Leichtwind sind wir hoffnungslos
unterlegen. Seit Mittag kommt der wenige Wind sogar aus
Süd-West (!!!!),
und das in der Passatzone. Tiefschwarze Gewitterfronten
entstehen,
regnen sich heftig ab, bringen aber keinen Wind. Mehrfach
reffen wir
flappende, schlagende Segel, um sie nach kurzer Zeit wieder
flappend und
schlagend auszureffen. Wo sind die stetigen 6-9 Bft Wind
der
letztjährigen ARC?
So schnell lassen wir uns aber nicht unterkriegen: für
morgen haben wir
Wind bestellt - so viel, dass die Andern reffen müssen...
Ekkehard.
Sprüche des Tages:
Philipp: "Ich geh heute an
den Strand, wer kommt mit?" Helmar: "Ich
muß heute dringend noch zur Post" "
Wer hat meinen Autoschlüssel gesehen?" Thilo: "Ich
hab´Lothar erwischt, mit dem halben
Oberkörper im
Süßigkeitenschapp" "
Wenn´s jetzt noch heißer wird, schlüpfen
die Küken im Eierschapp unter
der Sitzbank." - "Lecker, dann gibts Stübenküken
an Banane." Lethargie. Es ist
Flaute. Der Motor brummt. Die einen suchen die vom
Skip versteckten Weinflaschen, die anderen die letzten
Winkel an Bord,
die noch nicht abgefilmt worden sind. Ich suche weiterhin
die
Mikro-Kameras.
Zeit zum Lesen, Sonnen, Dösen, die Badeplattform herablassen
und die
Füße baumeln über 5000 Meter Wasser. Es
sind ganz kleine Dinge, die
einen beschäftigen. Wieso beißen die Fische
nicht an? Hoffentlich kochen
Thilo und Micha nicht schon wieder Kartoffeln an Möhren.
Wie sieht
eigentlich das kleine Klabautermännchen aus, das einfach
alle möglichen
Dinge von Bord verschwinden läßt? Wieso gärt
der Bauernbrotteig
wesentlich schneller und höher, als der vom Vitalbrot.
Helmar: "Wollen wir den Backofen ausschalten, oder
sollen wir das Brot
mal 'ne Nacht durchbacken?" Schöne,
kleine On-Bord-Welt! Nur Ekkehard steuert den disziplinären
Auflösungerscheinungen
entgegen:
Er tritt in voller Segelmontur, man will sagen overdressed,
seine Wache
an...bei null Wind und 25° Celcius.
Platz 153 - waren wir anfangs noch voller Siegeswillen,
bereit uns ins
Rennen zu stürzen, haben die täglichen Positionsmeldungen
von Caroline,
Michas Freundin, Realismus einkehren lassen. Aber damit
auch eine
gewisse Gelassenheit. Die Überlegungen, ein Segelmanöver
zu fahren,
dauern länger. Ich hol' lieber erst mal Zahnseide,
um den Baconrest
zwischen dritten und vierten Backenzahn unten links zu
beseitigen.
Oder der Skipper schläft. "
Weck du ihn, um zu fragen, ob wir das Blister Segel setzen
dürfen!" "
Ne, mach du" "
Ach komm schon, ich hab' ihn letztes Mal geweckt." Nach
einer guten Stunde haben wir uns geeinigt: "
O.K., wir lassen ihn schlafen!" Mal
Hand auf´s Herz: Hinter´m
Ruder steht keiner mehr voller Elan. Die
Selbststeueranlage hat sich als zuverlässig erwiesen.
Led Zeppelin's "Stairway to Heaven" dröhnt
aus den Boxen. Ist doch
angenehm!
03.12.2003 Philipp
Mir
ist mulmig zumute. Wir haben seit einer Woche keinen anderen
Segler
mehr gesehen. Ich hege eine schwerwiegende Vermutung: Wir
sind allein
unterwegs! All der Bohei auf Gran Canaria ist nur zu einem
Zweck
inszeniert worden, uns zu foppen. Und es hat geklappt. Wir
Deppen haben
uns tatsächlich auf den Weg gemacht. Jetzt verstehe
ich auch, warum die
Vorträge zum Thema Atlantiküberquerung so einschläfernd
waren. Unsere
komplette Crew saß in der letzten Reihe, während
Chris Tipps, der
Navigator schlechthin, dermaßen monoton monoligisiert
hat, bis wir
zusammen ein Sägewerk abgegeben haben. Klar, dann haben
sie
konspiriert...Allzusehr erinnert mich unser Vorhaben an Big
Brother mit
anderer Firmierung - "The Crossing". Aber jetzt
ziehen wir's durch,
jetzt erst recht. Ich melde mich, wenn ich die Micro-Kameras
ausfindig
gemacht habe.
Oder sind wir doch nur auf dem falschen Kurs?
02.12.03 10.
Tag auf See Ekkehard
06:00
Uhr, Schwere See. 4-5 Meter Welle läßt
einen Blistereinsatz nicht
zu. Wir sind in der Position weiter zurückgefallen,
wir waren noch zu
weit Nord. Seit heute geht es entgültig auf Direktkurs.
Am Mittwoch
gegen 16:00 haben wir 1400 Meilen geschafft. Bergfest!
Wir freuen uns
wie wenn Weihnachten wäre. Hoffentlich läßt
das Wetter unser geplantes"
Festmenue" zu. Unser Etmal der letzten 24 Stunden:
138 Meilen. Damit
sind wir nicht zufrieden!
15:00 wir haben heute Wäsche gewaschen, mit Süßwasser!
Leider bekommen
wir wieder einmal keine gute Verbindung über UKW via
USA ins Internet.
Immer wieder bricht die Verbindung ab. Und wir warten doch
alle
sehnsüchig auf mails aus der Heimat.
Ekkehard.
03.12.03 11.
Tag auf See
Der
Wind ist auf Südost gegangen. Wir haben gut Fahrt
gemacht, heute
Nacht. Die Wache 2 hat zu ersten Mal seit sieben Tagen
einen Segler am
Horizont gesehen. Das war eine Überraschung, wir sind
nicht ganz allein.
Die See ist heute Morgen bleiern schwer. Die Sonne schafft
es nicht
durch die geschlossene Wolkendecke zu brechen. Dennoch,
die Fazination
des Wassers bleibt. Jetzt habe ich auch die Farbe. Die
Farbe des Wassers
in der sich brechenden Atlantikwelle. Es ist ein Smaragdgrün,
ein
Topasgrün in allen Fassetten. Selbst heute. Ich wurde
gerade in den Mast gezogen. Zunächst filme
ich den Masttop,
damit mit auf dem Monitor in Ruhe die Schäden analysieren
können. Dann
mache ich natürlich auch für unseren Film heiße
Aufnahmen bei 7 kn Fahrt
aus 18 m Höhe!!! Ich komme grün und blau wieder
an Deck, aber es war´s
wert!
Es ist genau 16:25 als wir unser Bergfest feiern. Bei gut
7 kn Fahrt
stellen wir fest, wir sind nicht die allerschnellsten,
aber die
lustigsten.
Ekkehard.
01.12.03 9.Tag
auf See Ekkehard
00:05 lt.
GPS haben wir haben soeben die ersten 1000 Meilen abgesegelt!
Ich übergebe die Wache und schlafe in meiner Koje
sofort ein.
Theoretisch haben wir pro Tag 8 Stunden Schlaf, 8 Stunden
Wache und 8
Stunden Bereitschaft. Wie gesagt, theoretisch. Die Killerwachen
der
letzten Tage haben diese auf 2 Stunden reduziert.
Wir sind im Passatstrom!!! Wir sichten viele kleine Wolken
am Himmel mit
kleinen Schildern mit der Aufschrift: Passatwind, rechts
abbiegen" (dies
war die Antwort eines Wetterdozenten des ARC auf die Frage
eines
schottischen Seglers woran man erkenne, wann man im Passat
segelt!
Ekkehard
30.11.03 8.
Tag auf See
Das
Satellitenwetter sagt uns 30 bis 35 kn Wind (7 Bft) in
Squalls
(kleine lokale tropische Wirbelstürme) bis 70 kn,
Windstärke 12 und
mehr. Das ist nicht mehr lustig. Morgens um 04:00 bekommen
wir einen
Vorgeschmack: urplötzlich Windstärke 7 aus einer
pechrabenschwarzen Wolkenwand. Dann um 14:30 wird es dunkel.
Eine schwarze Front jagt uns,
daß wir in 2 Minuten alle (!) Tücher bergen
und mit
Sturm-Kutterstagsegel (7 qm) 7-8 kn gigantische Wellenberge
hinunter
surfen. Gerade rechtzeitig: wir sehen sie ehrfürchtig
Wolken- und
Wasserberge von hinten anrollen. Endlich haben wir den
Atlantik wie wir
ihn uns vorstellen. Selbst im einsetzenden strömenden
Regen ist dieses
Blau unbeschreiblich. In alle Farbnuancen verwandelt sich
das Wasser als
die ersten Sonnenstrahlen den warmen Schauer durchbrechen.
Mehrfache
Regenbogen wandern mit uns. Die Schaumkronen der sich brechenden
5 Meter
hoch auftürmenden Wogen glitzern in Augenhöhe
in einem hellen Wassergrün
wie kleine Südseelagunen. Wir sind alle tief beeindruckt
von der
Gewaltigkeit und Schönheit der Elemente.
17:00 Urplötzlich ist der Spuk
verbei. Es bleibt ein moderater Wind von
4 - 5 Bft. Jetzt kommt wieder unsere Geheimwaffe zum Einsatz.
Blister
und Genua. Da sie auf Vorwindkurs wie eine gigantische
Blase sich
gegenseitig den Wind einfangen, muß keines der Segel
ausgebaumt werden.
Das ergibt stolze 210 qm Segelfläche!! Bis zu 9 kn
Fahrt surfen wir die
Wellen hinunter. Endlich machen wir wieder ordentlich Strecke.
Pünktlich
zur Killerwache bergen wir das Tuch - ja wirklich, wir
bergen
schulmäßig, ohne Bruch! Es wird geklatscht wie
bei der Landung eines
Ferienfliegers.
Ekkehard
30.11.2003 Philipp
Ungewöhnlich,
wie schnell eine Woche um ist. Ich liege in meiner Koje,
gucke durch mein Aussichtsbullfensterguckauge und staune über
fliegende
Fische. Routine kann nicht einkehren, denn normal ist Nichts
hier an
Bord.
Ich finde mich hier z.B. am Top eines 18 Meter Mastes
wieder. Dort oben
fühlt man sich wie ein Stehaufmännchen, das von
einem kleinen bösen Bub
malträtiert wird. Hochgezogen von der Crew, um neue
Spunken, oder so, zu
befestigen. Klar als jüngster, leichtester und "denn
sie wissen nicht
was sie tunster". Aber die Aussicht und der Adrenalinkick
waren es wert.
Was für ein unglaubliches Blau!
Helmar spielt am liebsten
Flaschenversenken. Vornehmlich Weinflaschen.
Wo er die alle her hat, ist mir ein Rätsel? Dies ist
eine
Beschäftigungsform, die verschiedenste Gestaltungen
annehmen kann. Laut
Vorgabe Skip dürfen wir zwar Glas über Bord geben,
jedoch nur, wenn
diese gefüllt sind mit Wasser und sinken können.
So bindet er z.B. die
Flaschen an ein Tau und lässt diese so lange lustig
hinter uns her
springen, bis sie sich halbwegs mit Wasser gefüllt
haben. Und dann ab
damit. Ich habe es noch nicht geschafft, ihm eine leere
Flasche
abzuluchsen. Ich wollte meiner Tochter doch ´ne Flaschenpost
schicken.
Lothar kümmert sich liebevoll und fürsorglich
um die 50 Kg Bananen. Die
große Staude hängt Achtern (hinten) und war
bis gestern noch grün. In
präziser Gärtnermanier deckt er die Hälfte
ab, damit sie langsamer reift
als der Rest, Teile werden heruntergeschnitten und unter
Deck befördert,
brummelnd: "Hey Mr. Taliman, tali mi Banana...".
Doch jetzt haben wir
ein Problem: Urplötzlich haben sich die Bananen entschlossen
gemeinschaftlich zu reifen, was zur Folge hat, dass wir
uns im
Bannanüberfluß befinden. Bannanbrot, Bananen
mit Honig, Bananen
gebraten, Bananenmus, Bananen mit Orangensaft, Bananen,
Bananen,
Bananen...
Skip Dirks größte Freude ist diese technische
Errungenschaft, die es uns
ermöglicht das Logbuch up to date zu halten - Mail
per Kurzwelle.
Jauchzend hängt er über dem Laptop, vor allem
wenn er sich über Florida
oder Timbuktu einwählt…und es mal klappt. Da
schwellt die Brust.
Deasaster-Thilo ist resolut: "Ich will segeln!" Alle
Formen von
Windböen, Cyclonen, Squalls und Sturmwolken zieht
er magisch an. Das
hatte bis jetzt zur Folge, dass wir zweimal das Blister-Segeln
(ballonförmig und groß) aus dem Meer bergen
mussten und in der Regel
mehrmals in der Nacht erwachen. Nämlich immer dann,
wenn Thilo Wache
schiebt. Unerklärlicherweise nimmt der Wind immer
dermaßen zu, dass
unsere Yacht über das Wasser surft. Alsbald hört
man Michas Ausruf: "Was
ist da schon wieder los?!" Thilo beharrt dennoch weiterhin
auf seiner
Meinung: "Zum segeln braucht man Wind!"" Tante Ekkehard" zieht am liebsten mit Segelgarn
und Nadel über Bord.
Alles was genäht werden kann, wird kunstvoll umgarnt.
So bekommen Caps
kleine Bändchen, damit sie nicht davonfliegen, Knoten
werden zugenäht
und natürlich das Blister-Segel nach seinem Waschgang.
Micha
hasst Nachtwachen."Sch...,sch.., kann der Kahn
nicht wenigsten mal
anhalten, damit ich mein Wetterzeug ankriege?!" Eigenartigerweise
einmal
an Deck, ist er den Rest für die Nacht nicht mehr
in seine Kajüte zu
kriegen. Ist wohl doch Nachtsegler.
Nachts ist das Licht rationiert,
was zur Folge hat, das die ohnehin
komplizierten Toilettengänge zur Kunstform reifen.
Der Körper verformt
sich in einer Art, die es einem erlaubt, trotz derben Seegangs
Halt an
allen Wandseiten zu finden. Und dann noch entspannen...Jedoch
wird man
belohnt, spätestens bei der Spülung, die durch
Seewasserpumpen erfolgt.
Siehe da, das Toilettenbecken leuchtet - Meeresleuchten!!!
29.11.03 6.Tag auf See Ekkehard
Die
Profi-Regattasegler üben jedes Manöver immer
und immer wieder. Wir auch. Heute Nacht haben wir das
Blister-explodieren-lassen-und-wieder-bergen-Manöver
ein weiteres Mal
geübt! Diesmal war es 01:00 Uhr nachts, als nach Durchzug
eines Squalls
(kleine tropische Wirbelstürme)unser Blister samt
Mastkopfplatte mit
einem lauten Knall in die tosende See ging. Erst kam die
Böe, das Boot"
schoss in die Sonne" (ja, so nennt man das auch wenn
es mitten in der
Nacht ist!) d.h. aus dem Ruder. Bereits da hatten wir krängungsbedingt
unsere Kojen "verlassen". Wir waren diesmal schon
nach 20 sek. an Deck,
so daß wir heute morgen beschlossen, auf weitere Übungen
zu verzichten.
Wären nicht diese "Einlagen" verläuft
unser Alltag in einem recht
genauen Zeitplan: Frühstücken zwischen 08:00
und 09:00, danach Segel
flicken der "Killerwachen" der vergangenen Nacht.
Wetterholen,
Positionen durchgeben und ARC-Funkrunde um 12:00 danach
Brot backen der
jeweiligen Freiwache. Alle zwei Tage ist das Badezimmer
geöffnet. Das
ist das Vordeck mit einem schwarzen Eimer und einem Tampen
zum sichern.
Duschen an Deck mit 22° warmen dunkelblauem Atlantikwasser!!!
Das ist
traumhaft. So bleiben die "Indoor-Warmduscher-Bäder" sauber
und unser
Süßwasserhaushalt auch. Ab 15:00 kocht die jeweilige
Backschaftwache
(Küchenwache) sodaß wir um 17:00 spätestens
essen können. Um 18:00 wird
es schlagartig dunkel und die Killerwachen sind dran.
Heute werden wir zum ersten Mal die Uhr eine Stunde vorstellen.
Wenn wir
das zum vierten Mal machen, sind wir auf der Ziellinie
vor Rodney
Bay/St. Lucia...
Es ist heute zum ersten Mal richtig heiß und
das Wasser wird auch jeden
Tag um 1/2° wärmer. So, jetzt ist es 14:00 und
meine Wache beginnt.
Ekkehard.
28.11.03 6.Tag Ekkehard
Neues
Rekord-Etmal: 142 sm. Wir hören über Funk,
dass das führende Feld
der Racer und Katamarane bei südwestlichen Schwach-Winden "eingeparkt" haben.
Hahaha.... wir holen auf! Unsere Taktik haben wir neu abgestimmt:
nicht nach Süden um schnellstmöglichst in den
Passatzone zu kommen,
sondern Direttissima!! Vielleicht verblüffen wir damit
das übrige Feld?
Wir sind zwar nicht wahnsinnig schnell, aber auf Direktkurs
mit einer
steten sauberen Segelleistung. Und meine persönliche
große
Schadenfreude: der Maxiracer und DCNAC-Teilnehmer "World
of Tui" auf dem
ich beinahe angeheuert hätte, liegt 17 Plätze
hinter uns!!!!!
Ekkehard.
27.11.03 5.Tag
Segel reparieren ist nach dem Frühstück angesagt! Ein paar kleine Löcher
hat die Bergung verursacht. Um 14:15 steht das rote Tuch wieder! Heute gab es
frisch gebackenes Brot! Wir lobpreisen und huldigen die Aldi-Brüder (Brotbackmischung,
kg für -,99 Cent)und machen 1,5 Kg nieder! Nach dem der Blister endlich
steht, bekommen wir die ersten Meldungenü ber unsere Position im Feld. Wir
sind im totalen Regattafieber. Wir haben zwar keinen Regatta-Racer, aber wir
werfen unsere Seemannschaft" ins Rennen" In Anbetracht dessen, dass
75 Maxi-Racer und Katamarane vor uns sein m ü s s e n, liegen wir gar nicht
so schlecht.
Ekkehard.
26.11.03 4.Tag
Seit 11.30 steht unser 140 qm Blister bei 14-18 kn Wind. 12:00 Uhr, der Blister
steht! 16:00 Uhr, der Blister steht! 18:00 Uhr, der Blister steht! Wir fliegen
jetzt damit in die Nacht - geiles Gefühl! Dann, Nordatlantik N 24°57,2´ W
022°07,5´ 21:00 Uhr: bei 20 kn Wind in einer Böe verabschiedet
sich sich die Blase mit einem Kanonenschlag! Wir aus der Freiwache fallen fast
aus der Koje. In weniger als 30 Sekunden nach dem Ruf "Alle Mann an Deck" stehen
wir im Geschirr im Cockpit in dieser mondlosen Nacht und hasten an den Bug.
Es gilt so schnell als möglich das Tuch zu retten, bevor wir es überlaufen
und es sich um den Kiel wickelt. Schnell haben 4 Mann es geborgen und das Übel
lokalisiert: die Umlenkrolle im Masttop ist glatt gebrochen! Für unsere
Geschwindigkeit an Deck zu kommen, bekommen wir ein extra Fleißkärtchen
vom Skipper!
Ekkehard.
26.11.03 4.Tag
auf See Philipp
Tiefes, blaues, großes Wasser und kein Zeitgefühl
mehr. Alles neu. So etwas habe ich nicht gekannt.
Aber jetzt mal von vorn: Die Farewell Party auf Las Palmas
war der Kracher. Salsa, Chicas und Rum.
Arehucas heißt das Teufelszeug, welches mir in rauhen
Mengen verabreicht wurde, bis mich beim Entleeren nichts
mehr auf der Kaimauer hält. Laut Micha ist mein doppelter
Rückwärtsalto ins brackige Hafenbecken einer
der spektakulärsten Stunts, die er je gesehen hat.
Ekkehard versenkt symbolträchtig sein Mobile im Hafen,
beim Schuhebinden. Nun gibt es kein zurück mehr und
seine Leitungen zum Geschäftsleben sind gekappt. Endlich!
Tag X. Unser Plan, nen' guten Eindruck auf die Ausflugs-
und Presseschiffe zu machen, geht nach hinten los. Ganz
lässig wollen wir beim Vorbeirauschen ein Blister
(großes, ballonförmiges Segel) setzten. Das
Ding geht nicht auf. Muß lustig ausgesehn haben,
wie wir mit rot angelaufenen Gesichtern an der Menschenmenge
vorbeituckern. Die Schiffe drehen ab.
Und dann nur noch das große Blau vor uns. Lothar
bemerkt bezeichnend: "Wir müssen auf Ekkehard
aufpasssen, damit er morgen früh nicht im Trott Bötchen
holen geht!".
Die ersten Tage sind geprägt von schwerer Seekrankheit
von fast allen Crewmitgliedern. Mit meinem Anfängerglück
bleibe ich davon verschont und koche Schonkost. Mit den
Tagen erholt sich die Crew. Heute haben alle gut gefrühstückt.
Thilo ist der Meinung, das sei die wichtigste Mahlzeit
des Tages...neben den anderen fünf. Wir überholen
einen Segler im rasanten Tempo. Ich vermute, die Rennleitung
hat das Schiff hier geankert, um die Moral der Crew zu
unterstützen.
Oh Gott, ein Riss im Großsegel. Micha beruhigt: "Das
nähen die kleinen Chinesen in der Bilge (Schiffsrumpf)
wieder zusammen." Eine wohltuende
Routine kehrt ein. Die nächtlichen
Wachen gefallen mir. Das Meeresleuchten zieht eine Bahn
hinnter uns her. Sterne, Sterne, Sterne. So habe ich mir
das vorgestellt. Wir werfen die Hochseeangel aus. Der erste
Biss ist nicht von schlechten Eltern: Ein risieger Katamaran,
der hinter uns aufkreutzt.
Es stinkt im Salon. Wo kommt der Gestank her? Jeder verdächtigt
den anderen...nur nicht den Kohl, der vor sich hingammelt.
Wir geben ihn zu den Seegurken und Fischen.
Manchmal, ganz selten offenbart sich der Wahnsinn (oder
ist es der Sinn?): Das unglaubliche Blau, die riesigen
Wellenberge und 4500 Meter unter mir dringen tief ins Bewußtsein.
25.11.03 4.Tag
auf See Ekkehard
00.30 Uhr. Pechrabenschwarzer Himmel von den südlich durchziehenden Tiefdruckgebieten
die uns viel Wind bringen. Über uns steht der Sternenhimmel wie ein Monument.
Wir rasen durch die Nacht und scheinen uns doch nicht zu bewegen. Es rauscht
und gurgelt das Wasser unterm Kiel. Leuchtplankton verwandelt das Heckwasser
in eine fluoriszierende brodelnde Masse. In unserer 3. Nacht gibt es entgültig
keine Mitsegler mehr zu sehen. Wir sind allein.
Ekkehard
25.11.03
12:00
Heute Nacht gab es zum ersen Mal keine Frenmdlicht von
Land her. Wir sind allein mit drei oder vier anderen Jachten
auf
dem Atlantik. Wir rauschen mit hochgezogenem Kielschwert
bei einem moderaten NW mit 7-8 Knoten Fahrt ü.G. Jetzt
können wir unsere Stärken ausleben! Mindestens
drei Boote haben wir heute Nacht überholt.
Ekkehard
24.11.03 12:00
Das erste Etmal (gesegelte Strecke in 24h) ist nicht schlecht:
124 sm! Wir haben einen ersten Sturm mit bis zu 30 kn
wind abgesegelt. Unangenehme See und unüblicher
Wind aus SW läßt Seekrankheit aufkommen. Philip
und ich bleiben verschont. Nachdem nun der Wachplan aushängt,
finden wir in einen 2 (Nachts) bzw. 3-stündigen
Wach- und Schlafrythmus.
Ekkehard
23.11.03
Jetzt gehts endlich raus. Noch einen Tag länger, und
wir hätten den "Hafenkoller" bekommen. Meine
Eltern habe ich zum Filmen des Starts auf ein Presse- und
Ausflugsboot verfrachtet. Die Stimmung ist unglaublich
geladen. Um 12.00 Uhr sind alle Molen dich gedrängt
mit Zuschauermassen. An der Hafenausfahrt hat sich das
Canarische Fernsehen postiert. Seit 11.00 laufen nun schon
die Boote aus, als ertse die Maxis und die Rennziegen.
Wir gehören zu den gemässigten und lassen uns
Zeit. Aber auch wir laufen um 12.15 unter dem üblichen
Nebelhorntuten aus dem Hafen. Nun nehmen wir Kurs auf das
Startschiff, eine spanische Fregatte. Wir sind etwas irretiert,
da der Startschuss für die Racer eine halbe Stunde
früher als geplant fällt! Punkt 13.00 Uhr fällt
unser Starschuss. Wir sind recht weit hinten im Feld, aber
wir haben 2750 sm (5.000 km)um das zu ändern!
St. Lucia wir kommen!!!!!
Ekkehard
22.11.03
Die Spannung steigt stündlich. Gerade kommt unser
Gemüsehändler und bringt uns 200 kg Obst und
Gemüse. Eine ganze (grüne) Bananenstaude (55
kg) hängen wir zum Reifen unter die Radarbrücke.
Ekkehard
21.11.03
An der letzten Marinamole wurde eine riesige Bühne
aufgebaut für das große Abschiedsfest heute.
Es ist beeindruckend wie sich Las Palmas für uns Mühe
gibt. Abends findet hier ein tolles Openair mit einer 12-köpfigen
Flamenco-Band statt. Das Feuerwerk beleuchtet den ganzen
Hafen.
Ekkehard
Logbucheinträge
von der Vorbereitung auf Gran Canaria |